Abschied zu nehmen ist ein schwieriges Thema. Eines, über das die wenigsten Menschen sprechen möchten.
Und doch ist es so wichtig, da auch das zum Leben mit einem Hund irgendwann leider dazu gehört.
Ich möchte heute meine Erfahrung mit euch teilen. Dieser Beitrag wird sehr persönlich – aber er liegt mir unglaublich am Herzen.
Ein Tag, der alles verändert hat
Am 04.03.2026 mussten wir uns ganz plötzlich von unserer Hündin Mila verabschieden.
Nichts hat uns auf diesen Schock vorbereitet. Sie war fit, wir haben ihr absolut nichts angemerkt.
Zwar hatte sie die Krankheit Cushing, aber diese hatten wir durch Medikamente gut im Griff.
Am 03.03. waren wir noch ganz normal gemeinsam Gassi.
Plötzlich wollte sie nicht mehr laufen. Sie wirkte, als hätte sie Bauchschmerzen, und ich musste sie das letzte Stück zum Auto tragen, weil wir auswärts unterwegs waren. Im Auto musste sie sich übergeben.
Ich habe mir zunächst nichts Schlimmes dabei gedacht – Mila hatte einen empfindlichen Magen, und es kam immer mal wieder vor, dass sie sich übergeben musste oder Bauchschmerzen hatte.
Aber dieses Mal war es anders.
Erste Alarmzeichen
Zuhause wollte sie gar nicht mehr laufen. Sie wollte nichts trinken. Und nicht einmal Futter annehmen. Das war für mich das alarmierendste Zeichen.
Mila war – besonders seit ihrer Cushing-Erkrankung – sehr verfressen.
Ich habe sofort beim Tierarzt angerufen und wir sind losgefahren.
Mila mochte Autofahren nie. Sie konnte dabei nie entspannen. Doch auf dem Weg zum Tierarzt hat sie sich plötzlich hingelegt. Das war absolut nicht normal für sie.
Beim Tierarzt
In die Praxis musste ich sie hineintragen.
Auch der Tierarzt war etwas, das sie nie leiden konnte – sie hatte immer Angst. Doch selbst im Wartezimmer war sie einfach nur erschöpft und zeigte keinerlei Angstverhalten.
Wir kamen zum Glück schnell dran.
Im Behandlungsraum legte sie sich sofort auf die Liege und bewegte sich kaum noch.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits riesige Sorgen, weil das alles so untypisch für sie war.
Die Tierärztin wollte eine Magendrehung ausschließen, deshalb wurde Mila geröntgt – ohne Befund.
Im Darm gab es kleine Auffälligkeiten, aber nichts, was diese starken Schmerzen erklären konnte.
Es war bereits spät am Abend, kurz vor Feierabend der Praxis, und die Möglichkeiten waren begrenzt.
Mila bekam Schmerzmittel, und wir sollten in die Tierklinik fahren, wenn es innerhalb einer Stunde nicht besser wird.
Es wurde nicht besser. Es wurde schlimmer.
Der Moment, der alles verändert hat
Zuhause angekommen, wollte ich sie kurz im Garten Pipi machen lassen.
Währenddessen brachen plötzlich ihre Hinterbeine weg. Sie konnte sich nicht mehr halten. Ich nahm sie sofort hoch, um sie ins Haus zu tragen.
Und direkt vor der Tür bekam sie in meinen Armen einen epileptischen Anfall. Ich hatte so etwas noch nie erlebt und wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte. Irgendwie schaffte ich es, die Tür zu öffnen und ins Haus zu kommen. Dort rief ich sofort beim Tierarzt an. Die einzige Anweisung: darauf achten, dass sie sich nicht verletzt – und direkt in der Tierklinik anrufen. Wir sollten sofort los fahren. Der Anfall dauerte etwa 3 bis 5 Minuten.
Ich hatte in diesem Moment kein richtiges Zeitgefühl, aber die Tierklinik sagte später, dass das sehr lang ist – vor allem für einen Hund in ihrem Alter. Mila war 12 Jahre alt.
Die Fahrt in die Tierklinik
Diese Fahrt war eines der traumatischsten Erlebnisse meines Lebens. Nach dem Anfall konnte Mila ihre Hinterbeine überhaupt nicht mehr bewegen und konnte sich im Auto kaum halten. Mein Mann war leider auf Geschäftsreise – ich war allein. Zum Glück konnte ich meine Schwester auf halber Strecke einsammeln, damit sie Mila während der Fahrt halten konnte. Die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten. Die Schreie von Mila während dieser Fahrt werde ich nie vergessen.
In der Tierklinik
Dort wurde sie zunächst allgemein untersucht. Ihre Hinterbeine waren komplett taub, sie hatte kaum noch Reflexe. Da es bereits spät abends war, konnten sie nicht mehr viel tun – außer ihr Schmerzmittel/Infusionen zu geben. Ich musste entscheiden, ob ich sie über Nacht in der Klinik lasse oder sie mit nach Hause nehme. Als ich die Kosten hörte, musste ich schlucken. Aber ich konnte sie nicht mit nach Hause nehmen. Zuhause hätte ich ihr keine Infusionen geben können, keinen Tierarzt rufen können, wenn sich ihr Zustand verschlechtert hätte. Ich wäre völlig überfordert gewesen – und immer noch allein. Außerdem wurde mir gesagt, dass ich im Notfall nachts in eine Tierklinik fahren müsste, die etwa 100 km entfernt ist.
Also entschied ich mich, trotz sehr hoher Kosten, sie dort zu lassen.
Die schlimmste Nachricht
Natürlich konnte ich in dieser Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen sollte ich gegen 10 Uhr angerufen werden. Ich konnte nicht warten und rief bereits um 8 Uhr an – bekam aber keine Auskunft. Ich hatte kein gutes Gefühl. Und dieses Gefühl bestätigte sich.
Die Tierärztin erklärte mir, dass sie einen großen Tumor in Milas Niere entdeckt hatten und eine Bauchspeicheldrüsenentzündung feststellen konnten.
Doch das waren nicht die größten Probleme.
Mila hatte eine sogenannte Aortenthrombose – ein Blutgerinnsel, das dazu führte, dass ihre Hinterbeine gelähmt waren. Sie hatte dort keinen Puls mehr.
Diese Erkrankung ist nicht heilbar.
Ihr Zustand war sehr schlecht. Wir hatten keine Wahl.
Die schwerste Entscheidung
Mein Mann war immer noch auf Geschäftsreise und konnte nicht rechtzeitig kommen. Ich fragte, ob wir warten könnten.
Aber das ging nicht. Mila hätte es nicht geschafft und wäre qualvoll verstorben.
Also musste ich meinem Mann alles am Telefon sagen – während er in einem Geschäftsmeeting saß.
Eines der schwersten Telefonate meines Lebens.
Es tat mir so Leid, dass er nicht dabei sein konnte. Mila und er waren ein Herz und eine Seele.
Der Abschied von Mila
An die Fahrt zur Tierklinik kann ich mich kaum erinnern. Ich war wie im Autopilot.
Ich wollte einfach nur zu Mila und bei ihr sein.
Dort angekommen, durfte ich in ein Behandlungszimmer. Mila wurde auf einem Tisch hereingeschoben. Ich habe sie noch nie so gesehen. Sie konnte gerade noch ihren Kopf heben.
Ich durfte mir alle Zeit nehmen, die ich brauchte.
Irgendwann habe ich den Tierarzthelferinnen gesagt, dass ich bereit bin.
Die Tierärztin erklärte mir alles ganz genau.
Ich hatte schon immer Angst vor diesem Moment und wollte es mir nie vorstellen.
Die Einschläferung an sich war jedoch sehr friedlich und es war einfach eine Erlösung für Mila. Ich wollte nicht, dass sie weiter leiden muss.
Und ich bin sehr dankbar dafür, dass es diese Möglichkeit für unsere Haustiere gibt.
Danach
Ein Satz der Tierärztin ist mir besonders im Kopf geblieben:
„Die Angehörigen leiden zu sehen ist immer schlimm. Aber für die Tiere ist es eine Erlösung. Und ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit haben.“
Ich durfte danach wieder allein bei Mila sein und mir Zeit nehmen.
Worauf ich überhaupt nicht vorbereitet war: Die Frage, was wir jetzt mit ihr machen möchten.
Wir hatten uns nie Gedanken darüber gemacht.
Ich musste nicht sofort entscheiden, bekam aber Informationen mit. Am Ende entschieden wir uns für eine Kremierung.
Mittlerweile haben wir ihre Asche und einen Pfotenabdruck aus Gips mit ihrem eingravierten Namen.
Leben ohne Mila
Wir vermissen Mila unendlich. Jeden Tag.
Und das wird für immer so bleiben.
Kein Hund wird sie jemals ersetzen können. Und das wollen wir auch nicht.
Aber das Leben geht weiter und wir müssen lernen, ohne sie zu leben.
Gedanken, die helfen
Im Nachhinein tröstet uns der Gedanke, dass sie nicht lange leiden musste.
Und auch, dass wir die Entscheidung nicht wirklich treffen mussten – sie wurde uns abgenommen.
Andere Hunde leiden Wochen, Monate oder Jahre.
Es ist nie leicht. Aber wenn man sich für einen Hund entscheidet, gehört auch dieser Teil irgendwann dazu – auch wenn man ihn gerne verdrängt.
Zurück in den Alltag
Die erste Zeit ohne Mila war schrecklich. Routinen und Gewohnheiten sind plötzlich weg.
Langsam finden wir zurück aber es ist sehr ungewohnt. Ablenkung hilft. Hobbys helfen. Und mir hilft vor allem das Hundetraining mit anderen Mensch-Hund-Teams.
Mein Mann wurde öfter gefragt, ob ich trotzdem weiter mit dem Hundetraining mache.
Natürlich! Ich brauche Hunde in meinem Leben und das Training mit anderen Menschen und Hunden macht mich sehr glücklich.
Ein neuer Hund?
Viele möchten wissen, ob und wann wir uns einen neuen Hund holen.
Die Antwort ist: Irgendwann wird es auf jeden Fall wieder einen Hund geben aber wann das sein wird, wissen wir noch nicht.
Wenn es passt, dann passt es.
Wir vermissen Mila sehr aber wir vermissen auch das Leben mit einem Hund.
Aber im Moment ist es noch zu früh.
Danke
Ich möchte mich von Herzen für all die lieben Nachrichten bedanken.
Es ist so schön zu spüren, wie viele Menschen Mila geliebt haben und wie viele einfach für uns da sein wollten.
1000 Dank dafür!
Warum ich das teile
Ich wollte diese Geschichte erzählen, weil viele Menschen Mila kannten – uns aber nicht darauf ansprechen möchten.
Außerdem erlebe ich als Hundetrainerin auch im privaten Umfeld immer wieder, wie eng die Bindung zwischen Mensch und Hund ist – und wie schmerzhaft Abschied sein kann. Er gehört aber zum Leben dazu und auch das muss jedem Hundebesitzer klar sein.
Ich teile das hier auch für alle, die Ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben.
Ihr seid mit diesen Gefühlen nicht allein.
Es ist immer schwierig über solche Themen zu sprechen. Ich kann es mittlerweile aber ziemlich gut.
Und ich möchte nicht nur traurig sein, wenn ich an Mila denke.
Mein Mann und ich sprechen jeden Tag über sie.
Wir erzählen uns Geschichten, lachen gemeinsam.
Wir möchten sie so in Erinnerung behalten, wie sie war:
Als den besten Hund der Welt.
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