Was ich mit meinem ersten Hund falsch gemacht habe – und heute anders machen würde

Veröffentlicht am 19. April 2026 um 16:13

Wenn ich heute auf die Zeit mit meiner Hündin Mila zurückblicke, gibt es einige Dinge, die ich anders machen würde. In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht – vor allem mit Blick auf einen zukünftigen Hund.

Mir ist wichtig zu sagen: Ich habe all diese Punkte im Laufe der Jahre mit Mila aufgearbeitet. Aber ich hätte mir gewünscht, vieles schon früher gewusst zu haben.

Mehr Wert auf Entspannung legen

Ein Thema, das ich im Welpen- und Junghundalter völlig unterschätzt habe ist Entspannung.
Damals wusste ich schlicht nicht, dass man Ruhe aktiv üben kann und auch sollte. Ich ging davon aus, dass ein Hund entweder entspannt ist oder eben nicht.

Heute weiß ich: Entspannung ist ein Trainingsinhalt. Hunde müssen lernen, zur Ruhe zu kommen, Reize auszuhalten und abzuschalten. Gerade in unserer oft sehr hektischen Welt ist das unglaublich wichtig. Natürlich gibt es hier aber Hunde die das von Natur aus besser können und Hunde die da mehr Zeit und Training benötigen.

Leider wurde in meiner damaligen Welpenschule kein Wert darauf gelegt. Es ging hauptsächlich um Spiel und ein paar Grundsignale – echte Ruhephasen oder bewusstes Beobachten gab es nicht.

Einen passenden Welpenkurs wählen

Ein guter Start ins Hundeleben ist unbezahlbar.
Heute würde ich sehr viel genauer hinschauen, welchen Welpenkurs ich auswähle.

In unserem Kurs waren viel zu viele Hunde gleichzeitig auf dem Platz. Alle wurden von der Leine gelassen und rannten unkontrolliert durcheinander. Mila war die kleinste – und völlig überfordert. Sie wurde mehrfach überrannt und kauerte schließlich ängstlich am Zaun.

Ich stand daneben und hatte ein schlechtes Bauchgefühl aber durfte aber nicht eingreifen. Damals dachte ich noch: „Die Trainer werden schon wissen, was sie tun.“

Heute sehe ich das anders. Nicht jeder Trainer kennt sich gut genug aus.

Auf mein Bauchgefühl hören und meine Meinung vertreten

Damals war ich 18, unsicher und zurückhaltend. Ich hätte mich nie getraut, etwas zu sagen oder eine Situation zu hinterfragen.

Heute würde ich klar für meinen Hund einstehen.

Ich hätte sagen sollen:
„Ich möchte nicht, dass mein Hund Angst hat. Ich möchte ihr Sicherheit geben.“

Auch später im Training habe ich mich oft unwohl gefühlt. Hunde wurden über einen Kamm geschoren, individuelle Bedürfnisse kaum beachtet. Wenn etwas nicht funktionierte, lag es angeblich am „schlechten“ Training des Menschen.

Heute ist für mich klar:
Wenn ich oder mein Hund sich nicht wohlfühlen, gehe ich nicht mehr hin. 

Meinen Hund nicht mit anderen vergleichen

Vergleiche passieren schnell – gerade in Gruppenstunden.
Aber sie helfen weder dir noch deinem Hund.

Jeder Hund ist individuell. Jeder bringt eigene Stärken, Schwächen und Bedürfnisse mit.

Heute liegt mein Fokus darauf, genau diese Stärken zu erkennen und zu fördern – und die Schwächen anzunehmen, statt gegen sie zu arbeiten.

Die Wahl des Hundes bewusster treffen

Ich habe mich damals zwar über die Rasse informiert, aber die Herkunft meines Hundes nicht ausreichend hinterfragt.

Mila kam aus Bulgarien, vermutlich von einem Vermehrer und wurde günstig auf einem Hinterhof verkauft.

Heute weiß ich, wie wichtig eine verantwortungsvolle Herkunft ist – sei es durch einen guten Züchter oder einen seriösen Tierschutz. Beides kann großartige Hunde hervorbringen, wenn es mit Bedacht gewählt wird.

Konsequenter positiv trainieren

Ein Punkt, der mir heute besonders am Herzen liegt: das Training.

Am Anfang habe ich leider auch mit Strafe gearbeitet – zum Beispiel mit Wasser als „Korrektur“. Rückblickend weiß ich, dass das Milas Verhalten nicht verbessert, sondern eher verschlimmert hat.

Erst später, im Laufe meiner Ausbildung, bin ich vollständig auf positives Training umgestiegen.
Das hat nicht nur das Verhalten verbessert, sondern vor allem unsere Beziehung gestärkt.

Körpersprache frühzeitig verstehen lernen

Die Körpersprache von Hunden ist für mich heute ein zentrales Thema.

Leider habe ich erst relativ spät gelernt, wie fein Hunde kommunizieren – und wie oft sie missverstanden werden.

Hätte ich Mila früher „lesen“ können, hätte ich viele Situationen besser einschätzen und sie gezielter unterstützen können.

Den Fokus auf alltagstaugliche Signale legen

Früher lag mein Fokus vor allem auf klassischen Signalen wie Sitz, Platz und Bleib.

Heute würde ich andere Schwerpunkte setzen:
Signale, die im Alltag wirklich helfen.

Dazu gehören für mich zum Beispiel ein sicheres Steh, ein gut aufgebautes Deckensignal oder zuverlässige Orientierung am Menschen.

Gemeinsame Zeit bewusst gestalten

Ein Punkt, der mir heute besonders wichtig ist: gemeinsame, ruhige Zeit.

Auf Instagram sehe ich in letzter Zeit immer mehr Videos, in denen Besitzer mit ihren Hunden gemeinsam beobachten. Dazu schreiben sie:  „Ich unterstütze die Hobbys meines Hundes.“ Viele finden das witzig aber in Wahrheit ist das super hilfreich.

Gemeinsames Beobachten, Schnüffeln, Erkunden – all das stärkt die Bindung enorm. Es geht nicht immer um „Training“ im klassischen Sinne, sondern darum, zusammen die Welt zu erleben.

 

Ich habe in den letzten Jahren unglaublich viel gelernt – durch meine Ausbildung und durch Mila.

Viele dieser Dinge habe ich im Nachhinein verändert und verbessert. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dieses Wissen schon am Anfang gehabt zu haben.

Für meinen nächsten Hund nehme ich all diese Erfahrungen mit.
Nicht, um alles „perfekt“ zu machen – sondern um bewusster, fairer und klarer zu handeln.

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