Das Leben mit einem neuen Hund – und der ist auch noch ein Welpe

Veröffentlicht am 8. August 2026 um 10:26

Seit Anfang Juli ist bei uns wieder ordentlich Leben im Haus. Wie viele von euch wissen, gehört inzwischen eine kleine Nova Scotia Duck Tolling Retriever Hündin zu unserer Familie: Ivy. Und ja – sie ist nicht nur ein neuer Hund, sondern auch noch ein Welpe. 🐾

Wer schon einmal mit einem Welpen zusammengelebt hat, weiß: Das Leben mit einem kleinen Hund ist eine ganz andere Welt als das Leben mit einem erwachsenen, eingespielten Hund.

Plötzlich ist wieder alles neu

Mit unserer vorherigen Hündin Mila hatten wir irgendwann einen ganz selbstverständlichen Alltag. Wir hatten unsere Routinen, kannten uns gegenseitig in- und auswendig und mussten über vieles gar nicht mehr nachdenken.

Mila wusste, was bestimmte Worte oder Signale bedeuteten. Ich wusste, wie sie auf Situationen reagiert, wann sie ihre Ruhe braucht, wann sie aufgeregt wird und was sie gerade von mir möchte. Viele Dinge liefen einfach automatisch.

Mit einem Welpen ist das plötzlich wieder ganz anders.

Man muss sich zunächst kennenlernen. Der Welpe muss sich an sein neues Zuhause, neue Menschen und seine neue Umgebung gewöhnen. Er muss lernen, stubenrein zu werden, alleine zu bleiben, sich zu entspannen und die vielen kleinen Dinge des Alltags kennenzulernen.
Und natürlich müssen auch die ganzen Signale wieder neu aufgebaut werden. Dinge, die für uns selbstverständlich geworden waren, existieren für Ivy schlicht noch nicht.
Ach ja – und nachts aufzustehen und mit einem Welpen nach draußen zu gehen, gehört auch wieder zum Alltag.
Wir wussten natürlich, worauf wir uns einlassen. Und trotzdem ist es etwas anderes, wenn man plötzlich wieder mittendrin steckt.

Wir müssen erst wieder unsere gemeinsame Sprache finden

Eine Sache fällt mir dabei besonders auf:
Ich vergesse manchmal, dass Ivy viele Dinge einfach noch gar nicht kennen kann.

Wenn man jahrelang mit einem Hund zusammengelebt und trainiert hat, entwickelt sich eine gemeinsame Sprache. Man kommuniziert irgendwann ganz selbstverständlich miteinander – über Worte, Körpersprache, Blicke und kleine Bewegungen.

Bei Mila und mir war vieles automatisiert.
Bei Ivy müssen wir diese Sprache erst noch gemeinsam entwickeln.
Und das ist unglaublich spannend.

Ivy lernt sehr schnell und ist eine wahnsinnig genaue Beobachterin. Sie nimmt kleinste Veränderungen wahr. Das bedeutet aber auch, dass ich mich selbst wieder viel bewusster mit meiner eigenen Körpersprache auseinandersetzen muss.

Bei einem Hund, mit dem man jahrelang eingespielt war, vergisst man manchmal, wie viel Kommunikation eigentlich neben den gesprochenen Signalen stattfindet.
Ivy erinnert mich gerade wieder daran.

Und das ist auch für mich als Hundetrainerin eine tolle Erfahrung.

Natürlich vergleichen wir sie mit Mila

Ich hatte mir vor dem Einzug von Ivy fest vorgenommen, meinen neuen Hund nicht mit Mila zu vergleichen. Schließlich ist jeder Hund anders.
Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Bedürfnisse, seine eigene Persönlichkeit und seine eigene Art, mit der Welt umzugehen.
Aber natürlich passiert der Vergleich trotzdem.
Und mittlerweile finden wir das überhaupt nicht mehr schlimm.
Im Gegenteil: Wir lachen inzwischen oft darüber.

„Schau mal, das hat Ivy bestimmt von Mila gelernt.“

Natürlich kann Ivy nichts von Mila gelernt haben. Aber manchmal gibt es Situationen, in denen sie uns mit einer kleinen Bewegung oder einem Verhalten sofort an Mila erinnert.
Und dann ist da für einen Moment dieses vertraute Gefühl.

Gleichzeitig wird uns aber auch immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die beiden sind.

Zwei Hunde, zwei völlig unterschiedliche Welten

Mila war ein Spitz – und damit war eine gewisse Leidenschaft fürs Bewachen und Kommentieren definitiv vorhanden. Eine ihrer liebsten Beschäftigungen war: Bellen.

Ivy dagegen haben wir bisher vielleicht fünfmal kurz bellen gehört.
Dafür ist sie ein echtes Energiebündel. Sie möchte entdecken, ausprobieren, lernen und die Welt erkunden. Und ganz rassetypisch liebt sie das Apportieren. 

Mila war natürlich auch kein Faulenzer, aber gerade im Erwachsenenalter war sie insgesamt sehr entspannt und wir wussten genau, wie wir unseren Alltag gemeinsam gestalten können.
Ivy bringt wieder eine ganz andere Dynamik mit.
Und genau das macht es so spannend. Denn obwohl Hunde derselben Art angehören, können sie so unglaublich unterschiedlich sein. Sie können völlig andere Vorlieben haben, anders kommunizieren, anders lernen und andere Dinge brauchen, um sich wohlzufühlen.
Und trotzdem gibt es auch bei Ivy immer wieder kleine Gemeinsamkeiten, bei denen wir denken: „Das kennen wir doch.“

Genau das liebe ich auch daran Hundetrainerin zu sein

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mir das Training mit unterschiedlichen Mensch-Hund-Teams so viel Freude macht.

Ich finde es unglaublich spannend, verschiedene Hunde kennenzulernen.

Den aufgeregten Hund.
Den vorsichtigen Hund.
Den selbstbewussten Hund.
Den kleinen Clown.
Den Hund, der alles hinterfragt.
Den Hund, der am liebsten jede Aufgabe sofort lösen möchte.

Und natürlich auch die Menschen dahinter.
Denn genauso individuell wie unsere Hunde sind auch wir Menschen.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg, der für jedes Mensch-Hund-Team funktioniert. Training bedeutet für mich deshalb nicht, einem Hund einfach möglichst viele Signale beizubringen.
Es geht darum, sich kennenzulernen, eine gemeinsame Kommunikation aufzubauen und herauszufinden, was für genau dieses Team funktioniert.

Ivy erinnert mich gerade jeden Tag aufs Neue daran.

Welpentraining ist anstrengend – aber wunderschön

Das Training mit einem Welpen macht mir unglaublich viel Spaß.
Man sieht teilweise jeden Tag kleine Fortschritte. Ein Signal, das gestern noch nicht funktioniert hat, klappt plötzlich. Der Welpe versteht eine neue Aufgabe. Etwas, das zunächst völlig aufregend war, wird auf einmal ganz normal.
Und gleichzeitig merkt man, wie schnell diese kleine Fellnase größer wird.
Unser Alltag wird langsam wieder strukturierter und wir entwickeln nach und nach neue Routinen. Trotzdem ist es manchmal noch chaotisch – schließlich ist Ivy erst seit einem Monat bei uns.
Und auch wenn wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, freuen wir uns unglaublich darauf. Wir sind gespannt, wie Ivy sich entwickeln wird.
Wie sie als Junghund sein wird.
Wie sich ihr Charakter weiter entfaltet.
Welche Stärken und Eigenheiten sie entwickelt.
Und wie wir als Team zusammenwachsen.
Denn genau das ist für mich das Schöne am Zusammenleben mit einem Hund: Man bekommt keinen fertigen Hund ins Haus. Man lernt sich kennen, wächst zusammen und entwickelt sich gemeinsam weiter.

Ein neuer Hund ersetzt keinen alten

Und natürlich wäre dieser Blogbeitrag nicht vollständig, wenn Mila nicht das Schlusswort bekommt ;)
Wir denken noch immer jeden Tag an sie.
Ein neuer Hund bedeutet nicht, dass man den alten vergisst.

Ivy ersetzt Mila nicht. Das könnte sie auch gar nicht.
Mila hat ihren ganz eigenen Platz in unseren Herzen. Einen Platz, der ihr für immer gehören wird.
Und gleichzeitig hat Ivy einen neuen Platz bekommen.
Eine kleine Lücke, die sich nach Milas Tod so leer angefühlt hat, ist durch sie wieder ein bisschen gefüllt worden.

Aber die Lücke für Mila bleibt.
Und das ist auch gut so.
Denn Trauer und neue Liebe schließen sich nicht gegenseitig aus.
Wir können Ivy lieben, uns über sie freuen, mit ihr lachen, manchmal über sie verzweifeln und gleichzeitig Mila vermissen.
Vielleicht ist es sogar genau das, was uns gerade beim Heilen hilft:

Ivy nimmt Mila ihren Platz nicht weg. Sie bekommt ihren eigenen.

Und so gehen wir jetzt gemeinsam in ein neues Abenteuer.
Mit viel Freude, ein bisschen Chaos, vielen Trainingseinheiten, schlaflosen Nächten, ganz viel Lernen – und ganz viel Liebe.

Willkommen in unserem Leben, kleine Ivy. ❤️🐾

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