Die Wahrheit über Rassebeschreibungen

Veröffentlicht am 10. Juni 2026 um 16:10

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit verschiedenen Hunderassen beschäftigt. Dabei habe ich unzählige Rassebeschreibungen gelesen und bin immer wieder über Aussagen gestolpert, bei denen ich mich gefragt habe: Stimmt das wirklich? Kann man solche Eigenschaften tatsächlich jedem Hund einer bestimmten Rasse zuschreiben?

Viele Menschen informieren sich über verschiedene Rassen, bevor sie sich einen Hund anschaffen. Das ist grundsätzlich eine sehr gute Idee. Schließlich wurde jede Hunderasse ursprünglich für bestimmte Aufgaben gezüchtet, und diese Veranlagungen können durchaus Einfluss auf das Verhalten eines Hundes haben.

Was Rassebeschreibungen tatsächlich aussagen können

Zwischen verschiedenen Hunderassen gibt es durchaus Unterschiede. Diese zeigen sich häufig in Bereichen wie:

  • Jagdverhalten
  • Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf
  • Hüteverhalten
  • Wachsamkeit
  • Apportierfreude
  • Körperbau und gesundheitliche Veranlagungen

Wer sich für einen Hund interessiert, sollte daher unbedingt einen Blick auf die ursprüngliche Verwendung der jeweiligen Rasse werfen. Ein Hund, der über Generationen für die Jagd, das Hüten oder das Apportieren gezüchtet wurde, bringt häufig bestimmte Anlagen mit.

Genau deshalb finde ich es wichtig zu wissen, wofür eine Rasse ursprünglich gezüchtet wurde. Dieses Wissen kann später auch im Training sehr hilfreich sein, weil man die natürlichen Veranlagungen des Hundes sinnvoll nutzen kann.

Warum man Rassebeschreibungen kritisch betrachten sollte

Trotzdem sollte man Rassebeschreibungen niemals als Garantie verstehen.

Jeder Hund ist ein Individuum. Zwei Hunde derselben Rasse können sich in ihrem Verhalten deutlich unterscheiden. Das liegt daran, dass viele Faktoren die Entwicklung eines Hundes beeinflussen:

  • genetische Unterschiede innerhalb der Rasse
  • Sozialisation
  • Lernerfahrungen
  • Training
  • Haltungsbedingungen
  • Arbeitslinie oder Showlinie

Deshalb halte ich Aussagen wie „Diese Rasse ist immer kinderlieb“, „Diese Hunde sind leicht erziehbar“ oder „Diese Rasse hat keinen Jagdtrieb“ für problematisch.

Natürlich gibt es Rassen, die tendenziell stärker jagdlich motiviert sind als andere. Dennoch bringt jeder Hund in irgendeiner Form Verhaltensweisen mit, die mit dem Jagdverhalten zusammenhängen. Die Ausprägung kann jedoch sehr unterschiedlich sein.

Was formt Verhalten?

Auch die moderne Verhaltensforschung zeigt, dass Hundeverhalten nie ausschließlich durch die Rasse bestimmt wird.

Das Verhalten eines Hundes entsteht aus dem Zusammenspiel von:

  • genetischer Veranlagung
  • Umwelt
  • Erfahrungen
  • Training und Lerngeschichte

Die Rasse erklärt also einen Teil des Verhaltens, aber längst nicht alles. Wer einen Hund nur anhand einer Rassebeschreibung beurteilt, wird dem einzelnen Hund oft nicht gerecht.

Gesundheit gehört ebenfalls zur Rassewahl

Ein weiterer Punkt, der bei der Wahl eines Hundes häufig vergessen wird, sind mögliche rassetypische Erkrankungen.

Viele Rassehunde haben aufgrund ihrer Zuchtgeschichte ein erhöhtes Risiko für bestimmte gesundheitliche Probleme. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf nicht nur über das Verhalten einer Rasse informieren, sondern auch über mögliche Erkrankungen.

Wer sich für einen Rassehund entscheidet, sollte darauf achten, dass die Elterntiere auf relevante Erbkrankheiten untersucht wurden und entsprechende Nachweise vorliegen.

Warum ich mich gerade so intensiv mit Rassen beschäftige

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich mich in letzter Zeit so intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt habe.
Wie ich bereits im letzten Beitrag angekündigt habe, wird bei uns ein neuer Hund einziehen.
Für mich war dabei nie entscheidend, dass es unbedingt ein Rassehund sein muss. Ich habe mich genauso mit Tierschutzhunden und Mischlingen beschäftigt.
Allerdings gab es eine Rasse, die mich schon seit vielen Jahren fasziniert: den Nova Scotia Duck Tolling Retriever.
Ich war mir lange unsicher, ob diese Rasse wirklich zu uns passt, denn Toller gelten als echte Arbeitshunde und bringen entsprechend viel Motivation und Energie mit.
Während meiner Hundetrainerausbildung lernte ich eine Züchterin dieser Rasse kennen. Schon damals haben mich die Hunde begeistert.

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever – ein besonderer Retriever

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever stammt ursprünglich aus Kanada und gehört zu den eher seltenen Hunderassen.
Wie andere Retriever wurde er für die Jagd auf Wasservögel gezüchtet. Seine Aufgabe besteht jedoch nicht nur darin, geschossene Enten zu apportieren.
Der Toller beherrscht eine besondere Technik, das sogenannte „Tolling“. Dabei bewegt und spielt er sich am Ufer entlang, wodurch die Enten neugierig werden und näherkommen. Erst dann kommt der eigentliche Jagdeinsatz des Hundes zum Tragen.
Genau diese ursprüngliche Aufgabe spiegelt sich bis heute in vielen Eigenschaften der Rasse wider.
Toller sind auch bekannt für ihren berühmten “Toller Schrei”. Wenn sie aufgeregt sind, kommt oft ein hoher lauter Schrei aus ihnen raus. Ich bin gespannt, ob wir diesen Schrei in Zukunft öfter hören werden :)

Unsere Entscheidung

Bevor wir uns endgültig entschieden haben, haben wir eine Züchterin besucht und sind gemeinsam mit ihr und ihren beiden Hündinnen spazieren gegangen.
Außerdem durften wir einen Einblick in das Dummytraining bekommen. Wir waren sofort begeistert.
Dummytraining ist eine hervorragende Möglichkeit, Retriever artgerecht zu beschäftigen und ihre natürlichen Anlagen zu nutzen. Deshalb möchte ich mich in Zukunft noch intensiver mit diesem Bereich beschäftigen.
Nach vielen Überlegungen und Gesprächen stand unsere Entscheidung schließlich fest:

Bei uns wird ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever einziehen. 

Ich habe euch versprochen, euch auf die Reise „Neuer Hund“ mitzunehmen. Jetzt wisst ihr, für welche Rasse wir uns entschieden haben und warum.

Ich freue mich darauf, euch in den nächsten Beiträgen weiter mitzunehmen und von unseren Erfahrungen zu berichten. Unten seht ihr noch ein Bild unserer kleinen Maus :)

Bleibt gespannt!

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