Wie die meisten von euch wissen, begleitet uns seit Juli 2026 unsere neue Hündin Ivy – eine Nova Scotia Duck Tolling Retriever Hündin, kurz auch Toller genannt.
Mittlerweile ist Ivy fast sieben Monate alt und seit knapp vier Monaten bei uns. Ich würde sagen, sie ist inzwischen richtig bei uns angekommen. Natürlich lernen wir uns gegenseitig noch immer besser kennen. Schließlich ist Ivy noch jung, steckt mitten in ihrer Entwicklung und entdeckt nach und nach ihre Persönlichkeit.
Trotzdem haben wir in den vergangenen Monaten schon einiges über sie und ihre Rasse gelernt. Da der Nova Scotia Duck Tolling Retriever vielen Menschen noch relativ unbekannt ist, möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen.
Ich würde Ivy zwar nicht in allen Punkten als typische Toller-Hündin beschreiben, aber einige rassetypische Eigenschaften erkennen wir bei ihr definitiv wieder. Wichtig ist mir dabei: Das hier ist kein allgemeingültiges Rasseporträt, sondern unser ganz persönlicher Erfahrungsbericht. Jeder Hund ist individuell und bringt seine eigenen Stärken, Eigenheiten und Herausforderungen mit.
1. Retriever durch und durch
Wie der Name schon verrät, gehört der Nova Scotia Duck Tolling Retriever zu den Retrievern. Die Rasse wurde ursprünglich für die Wasserwildjagd gezüchtet und sollte sowohl Wild an Land und aus dem Wasser apportieren als auch Enten durch das sogenannte Tolling anlocken.
Das Apportieren liegt Ivy auf jeden Fall im Blut! Sie liebt es, Spielzeug zu bringen und Dinge im Maul herumzutragen. Draußen hinter etwas herzurennen, das sie anschließend zu mir zurückbringen darf (oder einfach ins Maul zu nehmen und damit rum zu rennen), ist für sie das Größte.
Aber auch drinnen könnte sie sich gefühlt ewig mit ihrem Spielzeug beschäftigen. Besonders spannend findet sie natürlich alles, was neu ist. Kaum liegt ein neues Spielzeug herum, wird es ausgiebig untersucht und bespielt.
Bei Ivy merkt man schnell: Apportieren ist für sie nicht einfach nur ein Spiel. Es ist eine Beschäftigung, die ihr richtig Freude bereitet und bei der sie ihre natürlichen Anlagen ausleben kann.
2. Der Toller kommt raus
Das Besondere an dieser Rasse ist das sogenannte Tolling. Dabei läuft, springt und spielt der Hund am Ufer entlang, beispielsweise in der Nähe von Schilf. Durch seine Bewegungen soll er die Neugier der Enten wecken und sie näher ans Ufer locken. Anschließend werden die erlegten oder verletzten Vögel apportiert.
Und tatsächlich beobachten wir bei Ivy immer häufiger Verhaltensweisen, die uns daran erinnern.
Am Wasser oder im hohen Gras kommt sie manchmal richtig in Fahrt und beginnt, ausgelassen herumzutollen. Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das tatsächlich mit ihrem genetisch verankerten Tolling-Verhalten zusammenhängt. Aber die Ähnlichkeit ist schon spannend!
Auf unserer üblichen Gassistrecke kommen wir außerdem an einem Hühnerstall vorbei. Dort darf Ivy gelegentlich frei laufen. Anfangs waren die Hühner für sie kaum interessant. Teilweise hatte sie sogar Respekt vor ihnen.
Mittlerweile sieht das anders aus: Sie tollt am Hühnerstall entlang und findet die Hühner offensichtlich ziemlich spannend. Wir unterbrechen dieses Verhalten natürlich zeitnah, denn wir möchten weder die Hühner stressen noch Ivy darin bestärken, sie aufzuscheuchen.
Für uns ist es trotzdem interessant zu beobachten, wie sich ihre Interessen verändern und welche Verhaltensweisen mit zunehmendem Alter deutlicher werden.
3. Vögel – die muss man doch jagen!
Auch Ivys Jagdinteresse wird langsam deutlicher. Bisher zeigt es sich vor allem bei Vögeln.
Wenn sie einen Vogel entdeckt, würde sie ihm am liebsten hinterherjagen. Noch kann sie sich in vielen Situationen gut zurückhalten, aber wir merken, wie spannend diese Tiere für sie sind.
Das passt durchaus zu den ursprünglichen Aufgaben des Tollers: Die Rasse wurde für die Wasserwildjagd gezüchtet und bringt entsprechend häufig eine ausgeprägte Begeisterung für Vögel und das Apportieren mit.
Für uns bedeutet das, von Anfang an ansprechbar zu bleiben, ihre Aufmerksamkeit zu belohnen und Impulskontrolle sowie einen zuverlässigen Rückruf zu trainieren. Denn auch wenn Ivy ein Familienhund ist, verschwinden ihre genetischen Anlagen dadurch natürlich nicht.
4. Meine Bezugspersonen sind das Wichtigste für mich
Ivy ist eine sehr anhängliche Hündin. Damit meine ich nicht, dass sie uns ständig hinterherlaufen muss oder nicht allein bleiben kann – das klappt zum Glück gut.
Vielmehr merken wir, wie wichtig wir als ihre Bezugspersonen für sie sind. Ivy ist eher vorsichtig und in vielen Situationen zurückhaltend. Wenn ihr etwas unheimlich ist, orientiert sie sich gerne an uns und sucht bei uns Sicherheit.
Auch bei fremden Menschen ist sie momentan sehr zurückhaltend. Sie hält lieber erst einmal Abstand und beobachtet, bevor sie Kontakt aufnimmt. Wenn sie jemanden besser kennt und Vertrauen aufgebaut hat, taut sie auf und geht von sich aus auf die Person zu.
Genau das ist mir wichtig: Sie soll selbst entscheiden dürfen, wann sie bereit für Kontakt ist. Niemand muss sie anfassen oder locken, nur weil er sie gerne kennenlernen möchte.
Dass Toller gegenüber fremden Menschen reserviert sein können, ist durchaus rassetypisch. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Toller ängstlich ist oder Schwierigkeiten mit fremden Menschen haben muss. Bei Ivy spielen sicherlich auch ihr individueller Charakter und ihre aktuelle Entwicklungsphase eine Rolle.
Wenn Ivy Menschen einmal ins Herz geschlossen hat, ist die Freude dafür umso größer, wenn sie diese wiedersieht.
Wir haben außerdem festgestellt, dass sie nach einem Tag bei meinen Eltern oder Schwiegereltern manchmal mehr Nähe braucht und etwas weniger ausgeglichen wirkt. Das muss nicht unbedingt an der Rasse liegen. Gerade junge Hunde müssen viele Eindrücke verarbeiten und profitieren davon, wenn sie ausreichend Ruhe bekommen.
Deshalb achten wir inzwischen darauf, dass nach einem aufregenden Tag möglichst ein ruhigerer Tag folgt, an dem Ivy sich erholen kann und wir viel Zeit mit ihr verbringen.
Am liebsten hat sie es natürlich, wenn mein Mann und ich beide zu Hause sind. Das lässt sich im Alltag nicht immer einrichten. Mittlerweile scheint sie sich aber sogar unsere üblichen Feierabendzeiten gemerkt zu haben und wartet sehnsüchtig darauf, dass wir nach Hause kommen.
Und wenn endlich wieder alle zusammen sind, ist die Freude riesig!
5. Klar bin ich schlau!
Ivy lernt unglaublich schnell. Sie ist zwar oft ziemlich ungeduldig, versteht aber meistens sehr schnell, was ich von ihr möchte.
Manchmal bin ich selbst überrascht, wie viel sie bereits versteht. Besonders spannend finde ich, dass sie manche Dinge auch dann richtig einordnet, wenn ich sie gar nicht besonders intensiv mit ihr trainiert habe.
Sie beobachtet meine Körpersprache sehr genau und scheint daraus häufig abzuleiten, was ich von ihr erwarte.
Natürlich ersetzt das keinen sauberen Trainingsaufbau. Trotzdem zeigt es mir immer wieder, wie aufmerksam sie ist und wie schnell sie Zusammenhänge erkennt.
Die Intelligenz und Lernfreude des Tollers sind auch in den Rassebeschreibungen verankert. Diese Eigenschaften sind toll, bedeuten im Alltag aber auch, dass man sich Gedanken machen sollte, wie man seinen Hund sinnvoll beschäftigt und ihm verständliche Regeln vermittelt.
Denn ein kluger Hund lernt nicht nur das, was wir ihm bewusst beibringen möchten. Er lernt auch aus unseren alltäglichen Verhaltensweisen – manchmal schneller, als uns lieb ist.
6. Beobachten ist eine große Leidenschaft
Ivy ist eine leidenschaftliche Beobachterin.
In neuen oder ungewohnten Situationen schaut sie sich häufig erst einmal alles in Ruhe an. Sie scheint Situationen zunächst einschätzen zu wollen, bevor sie entscheidet, wie sie darauf reagiert.
Besonders beeindruckend finde ich, wie schnell sie manche Verhaltensweisen durch Beobachtung aufgreift.
Dass Hunde voneinander lernen und sich an anderen orientieren können, ist bekannt. Bei Ivy fällt mir aber auch auf, dass sie uns Menschen sehr genau beobachtet und manchmal versucht, Handlungen nachzuahmen.
Deshalb würde ich irgendwann gerne mit ihr das Training Do as I do ausprobieren. Bei dieser Trainingsmethode lernen Hunde, menschliche Handlungen auf ein entsprechendes Signal hin nachzuahmen.
Ich finde die Vorstellung spannend, herauszufinden, wie Ivy an solche Aufgaben herangeht und was sie durch Beobachtung lernen kann.
7. Ein kleines Sensibelchen
Dass Ivy eher vorsichtig ist, habe ich bereits erwähnt. Sie ist aber auch sehr feinfühlig und reagiert sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung, auf unsere Körpersprache und auf unterschiedliche Stimmungen.
Wenn etwas anders ist als gewohnt, scheint sie das schnell wahrzunehmen. Auch wenn ich einmal genervt bin oder meine Stimme etwas erhebe, reagiert sie häufig unmittelbar darauf.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie schon beleidigt ist, bevor ich überhaupt richtig etwas gesagt habe. Dann zieht sie sich zurück und schaut mich mit ihrem ganz eigenen Blick an.
Natürlich ist das meine persönliche Interpretation ihres Verhaltens. Was genau in ihr vorgeht, kann ich nicht wissen. Aber ich merke, wie stark sie auf meine Stimmung und mein Auftreten reagiert.
Gerade bei einem sensiblen Hund finde ich es deshalb besonders wichtig, fair, klar und vorausschauend zu trainieren. Grenzen und Regeln sind wichtig – genauso wie eine verständliche Kommunikation und positive Verstärkung.
Das bedeutet nicht, dass man einem Toller nichts zumuten darf oder ihn ständig in Watte packen muss. Vielmehr geht es darum, ihn ernst zu nehmen, ihm Orientierung zu geben und ihn nicht unnötig unter Druck zu setzen.
8. Unendlich viel Energie
Dass Toller aktive Hunde sind, können wir durch Ivy definitiv bestätigen!
Sie rennt für ihr Leben gern und ist bei passenden Gelegenheiten sofort für eine Runde Bewegung zu begeistern. Gleichzeitig liebt sie Suchspiele und andere Aufgaben, bei denen sie ihren Kopf einsetzen kann.
Man merkt ihr an, dass sie gerne etwas tut und Aufgaben spannend findet. Wenn sie allerdings einmal nicht bekommt, was sie sich gerade vorstellt, kann sie ziemlich deutlich zeigen, dass ihr das nicht passt.
Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass auch ein aktiver Hund nicht rund um die Uhr beschäftigt werden muss. Gerade bei einem jungen Hund kommt es darauf an, Bewegung, geistige Beschäftigung und Erholung sinnvoll miteinander zu kombinieren.
Toller sind für viele Menschen, die gerne aktiv mit ihrem Hund arbeiten, tolle Begleiter. Wer dagegen einen Hund sucht, der am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa liegt und nur kurze Runden drehen möchte, sollte sich mit den Bedürfnissen dieser Rasse wirklich intensiv auseinandersetzen.
9. Ruhe muss geübt sein
Das klingt vielleicht erst einmal widersprüchlich: Ein Hund mit viel Energie muss lernen, zur Ruhe zu kommen.
Bei Ivy ist das tatsächlich ein großes Thema. Sie kann sich unglaublich schnell hochfahren und braucht dann Unterstützung, um wieder herunterzukommen.
Besonders in Gegenwart anderer Hunde fällt ihr das schwer. Sie möchte am liebsten sofort spielen und kann sich dann nur noch schlecht auf andere Dinge konzentrieren.
Deshalb haben wir viel daran gearbeitet, Ruhe und Entspannung aufzubauen. Und wir sind damit längst nicht fertig!
Uns hilft es, ihr im Alltag klare Strukturen zu geben, auf ausreichende Erholung zu achten und Situationen so zu gestalten, dass sie nicht ständig über ihre Grenzen gerät.
Dabei geht es nicht darum, sie einfach immer wieder zu bremsen. Sie soll vielmehr lernen, dass nicht jede Begegnung ein Spiel bedeutet und dass sie auch in aufregenden Situationen ansprechbar bleiben kann.
Konsequenz ist dabei wichtig – für mich bedeutet das vor allem, verlässlich und verständlich zu handeln. Nicht, möglichst streng zu sein.
10. Eigenständig und manchmal ziemlich stur
Toller arbeiten gerne mit ihren Menschen zusammen. Trotzdem können sie durchaus eigenständig sein und eigene Interessen verfolgen.
Auch das merken wir bei Ivy inzwischen immer deutlicher. Natürlich hängt manches davon mit ihrem Alter zusammen: Sie wird selbstständiger, probiert Dinge aus und entdeckt, dass sie auch eigene Entscheidungen treffen kann.
Wenn sie beispielsweise im Garten ist und wir wieder hineingehen möchten, findet sie das nicht immer sofort einleuchtend. Schließlich könnte man draußen noch so viel entdecken!
Dann kann es schon einmal passieren, dass sie unseren Rückruf nicht ganz so wichtig findet wie wir.
Ob das nun Sturheit ist oder einfach eine besonders spannende Alternative, über die sie gerade nachdenkt, sei dahingestellt. Für uns bedeutet es jedenfalls, weiter an einem zuverlässigen Rückruf zu arbeiten und erwünschtes Verhalten sinnvoll zu belohnen.
Gerade bei einem Hund, der gerne selbstständig unterwegs ist und sich stark für seine Umwelt interessiert, ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit mit dem Menschen auch draußen lohnenswert bleibt.
Unser Review
Ivy hat noch unglaublich viel zu lernen. Und wir haben mindestens genauso viel von ihr zu lernen.
Es ist spannend, sie jeden Tag zu beobachten und mitzuerleben, wie sie sich entwickelt. Manche ihrer Eigenschaften bringen uns zum Lachen, andere fordern uns heraus. Und manchmal überrascht sie uns mit Dingen, die wir so gar nicht erwartet hätten.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Auch wenn der Toller auf Social Media manchmal als unkomplizierter, immer fröhlicher und leicht zu erziehender Hund dargestellt wird, sollte man sich davon nicht blenden lassen.
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist ein intelligenter, arbeitsfreudiger und ausdauernder Jagdhund. Er kann ein wunderbarer Begleiter sein, braucht aber Menschen, die bereit sind, sich mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und Zeit in Training, Beschäftigung und Ruheaufbau zu investieren.
Ich persönlich würde die Rasse deshalb nicht als klassischen Anfängerhund empfehlen. Das heißt nicht, dass Anfänger grundsätzlich keinen Toller halten können. Es bedeutet vielmehr, dass man sich vor der Anschaffung ehrlich fragen sollte, ob man bereit ist, sich intensiv mit Hundetraining zu beschäftigen und einen aktiven Hund auch durch schwierige Entwicklungsphasen zu begleiten.
Wir merken den Unterschied besonders im Vergleich zu unserer früheren Kleinspitz-Hündin Mila. Natürlich sind die beiden individuelle Hunde, und ein direkter Rassevergleich ist nie ganz objektiv. Trotzdem erleben wir den Alltag mit Ivy in vielerlei Hinsicht anders und müssen uns auf neue Herausforderungen einstellen.
Wir haben uns bewusst für diese Herausforderung entschieden und nehmen sie jeden Tag aufs Neue mit Freude an. Das bedeutet nicht, dass es keine anstrengenden Tage gibt, an denen wir auch einmal verzweifeln oder uns fragen, warum etwas gerade so schwierig sein muss.
Aber genau das gehört für uns dazu: gemeinsam lernen, Rückschläge akzeptieren, Erfolge feiern und als Mensch-Hund-Team zusammenwachsen.
Und wenn Ivy uns dann mit ihrem Spielzeug entgegenkommt, voller Begeisterung durch die Gegend tollt oder sich nach einem aufregenden Tag zufrieden zu uns kuschelt, wissen wir wieder, warum sich das alles lohnt. ❤️
Ivy, wir freuen uns auf alles, was wir noch gemeinsam lernen und erleben dürfen!
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Kommentare
Hallo Jessica, das ist ganz toll geschrieben! Danke für diese tolle Zusammenfassung. Ich wünsche euch noch sehr viel Freude mit eurer Ivy. P.S. Elli ist zum ersten Mal läufig, das ist auch für uns eine ganz neue Erfahrung :-)